Die Verhaltensweisen werden immer in ihrem Kontext beschrieben. Insofern geht diese Darstellung weit über einen reinen Verhaltenskatalog (i.S.v.: Zusammenstellung und kurze Beschreibung abgrenzbarer Verhaltensweisen) hinaus.
Das führt zum einen zu viel Lesestoff, zum anderen aber auch zu doppelten Einordnungen, da einige Verhaltensweisen in unterschiedlichen Kontexten auftreten.

Ich habe mich bemüht, die englischen Verhaltensbezeichnungen sinnvoll zu übersetzen. Ich werde an jeder Stelle auf diese Eigenübersetzungen hinweisen und sie kenntlich machen. Die englischen Begriffe werden aber stets aufgeführt. Das erleichtert auch eigene Nachforschungen in der englischsprachigen Fachliteratur.

Bei aller Liebe zur Beobachtung und zum Detail, sei noch auf folgendes hingewiesen:

Selektive Wahrnehmung und von Blindheit geschlagen:
Die richtige Interpretation von Verhaltensweisen erfordert genaue Beobachtungsgabe und Erfahrung mit den Tieren. Ein Verhaltenskatalog kann den Blick dafür schärfen, worauf bei der Beobachtung besonders zu achten ist. Dennoch werden wir immer wieder ratlos vor unseren Tieren stehen, weil wir bestimmte Dinge nicht sehen wollen oder sehen können. Die Kommunikation in der Rattenwelt bleibt uns weitestgehend verborgen. Das betrifft vor allem die weite Welt der Gerüche resp. Duftstoffe. Insofern werden uns die Tiere manche Begründungen für ihr Verhalten schuldig bleiben.

Musterproblem:
Oft sind die Verhaltensweisen nicht "diskret" (abgrenzbar), wie ein Verhaltenskatalog dies suggeriert. Ernst und Spiel, Wohlfühlen und Ablehnung vermischen sich zu neuen Verhaltenskombinationen, die kein Katalog abdecken kann.

Ratten sind auch nur Menschen:
Verhalten ist nicht vorhersagbar oder läuft auf vorgeschriebenen Wegen ab, denn auch Ratten können die Absichten ihres Gegenübers oft nicht richtig einschätzen. Sie zeigen dann Unsicherheiten oder regelrecht ambivalentes Verhalten. So kann ein lieb gemeintes Putzen eines Partners im Streit enden oder umgekehrt.

Ratten sind nicht immer auch nur Menschen:
Es gibt echte Verständigungsschwierigkeiten zwischen Mensch und Ratte. Das liegt hauptächlich daran, dass Ratten ihre Welt mit anderen Sinnen erfahren, als wir Menschen. Vergisst man das, sind falsche Interpretationen fast zwangsläufig. So kann gut gemeintes Streicheln von dem Tier als bedrohlich wahrgenommen werden. Das Schlecken der Ratte an unserem Finger wird sofort als Zuneigung gewertet, obgleich es völlig andere Ursachen haben kann.
Im ersten Fall steht - so es nicht erkannt wird - das Vertrauen auf dem Spiel, beim zweiten Fall versperren wir uns möglicherweise anderen und passenderen Ursachen.

Rattenkultur, 20.11.13