Wanderratten im Zoo Dresden

Ausflug in den Dresdner Zoo.

Samstag, der Wecker klingelt um 05:15 Uhr. Die Beine mit einem fröhlichen Pfeifen aus dem Bett geschwungen, zum Hauptbahnhof getanzt und mit dem Intercity nach Dresden gedüst. Um 08:28 Uhr als dritte in den Zoo gestürmt, im Vorbeirennen schnell einen Zehner auf den Tresen geworfen, rechts abgebogen und zum "Zoo unter der Erde" gesprintet. Die Treppen im Hechtsprung heruntergeworfen und im Abrollen die Eingangstür aufgestoßen. Eleganter Sprung auf die Füße und mit dem Rücken die Tür wieder zugedrückt, mit einem Holzkeil fixiert und...erstmal aufgeatmet. Geschafft! Ich, pünktlich zur Zooöffnung völlig allein im Zoo unter der Erde, wo die Wanderratten präsentiert werden. Yeah!

Eigentlich wollte ich nur zur Aktivitätszeit bei den Tieren sein, denn egal welchen Tag-Nacht-Rhythmus der Zoo simuliert, morgens und abends dürften die Chancen für muntere Ratten noch am Größten sein. Später sollte ich allerdings feststellen, dass diese Tageszeit aus einem weitere Grund sehr günstig ist. Nach meinem Zoorundgang besuchte ich den Zoo unter der Erde erneut und nun war er mit ebenso lärmenden Eltern wie Kindern bevölkert. In die Anlage kann man auch über eine Rutsche gelangen, was sicherlich nicht die geschickteste Idee der Zooleute war. Aber zum Zoo allgemein später mehr.

Erstmal war ausgiebiges Rattenbegutachten angesagt. Das größere Schaugehege bildete - wie sollte es auch anders sein - einen Kanalabschnitt nach. Fünf Kopfnüsse und einmal Ohrenlangziehen für dieses langweilige und eigentlich gar nicht so zutreffende Klischee. Ich schlage murmelnde Bächlein mit Wiesen und kleinteiliger Agrarlandschaft vor. Aber das wäre wohl für die Besucher zu verstörend. Jedenfalls sah man die Nasen Grünzeug essen und Dinge erledigen, die Ratten eben so den lieben langen Tag zu erledigen haben. Sehr niedlich. Rattenhalter können ja noch so viele Tiere zuhause haben, andere Ratten anschauen wird trotzdem nie langweilig.

In dem Besuchergang ist eine weitere Höhle zu sehen, die wohl das Rattennest zeigen soll. Möglicherweise gibt es eine Verbindung zwischen den beiden Räumen, aber wie die Rattenwege hinter den Kulissen gestaltet sind, lässt sich nicht erkennen. Sauber und trocken liegen dort eine handvoll Ratten und dösen oder putzen sich. Und balgen sich - ein Holzkopf ist ziemlich sauer und verteilt Side-Kicks an seine Kollegen. Ein daneben sitzender Unbeteiligter bekommt bei dieser Gelegenheit auch gleich sein Fett weg. Das kennt man ja von dem ein oder anderen Hornochsen daheim. Meine Ansage "ich mach' da gleich mit" verhallte aber ungehört. Auch wie daheim...

Nach einer schönen Zeit knipsen und schauen verließ ich zufrieden die Anlage. Insgesamt war die Art der Präsentation der Tiere erwartbar. Augenscheinlich gab es keine kranken Tiere und die meisten waren ziemlich mobil. Am Ende des Zoobesuches kam ich wieder. Zwischenzeitlich hatten die Tiere frisches Futter bekommen und witzigerweise Zeitungspapier. Möglicherweise eine Art Enrichment, bei der die Tiere das Papier in ihr Nest bringen sollten.

Der Zoo Dresden insgesamt etwas enttäuschend. Er scheint kein richtiges Profil zu haben und wirkt wie eine seltsame Mischung aus Zoo und Wildpark auf einer erstaunlich kleinen Fläche (13 Hektar). Aktuell werden und wurden viele Anlagen um- oder neu gebaut, was vielversprechend ist. Begeistert war ich von der Schneeleoparden-Anlage und dem Brandes-Haus - dort hätte ich wirklich Stunden zubringen können :)

 

Zurück zur Artikelübersicht