Wildratten mit GIS auf der Spur

Im Zoologischen Institut der Universität Salzburg wurde ein Geographisches Informationssystem (GIS) entwickelt, mit dem Wildrattenhabitate in urbanen Räumen lokalisiert und bewertet werden können.

Geographische Informationssysteme (GIS) verknüpfen räumliche Daten (Karten) mit Sachinformationen. Auf diese Weise können raumbezogenen Zusammenhänge analysiert und abgebildet werden.

Die Population von wilden Wanderratten (rattus norvegicus) in den Städten veranlasste die Kommunen, die Rattenbekämpung gezielter zu Steuern. Meist geschieht dies mithilfe von Leitfäden zur Bekämpfung und turnusmäßigen Giftköder-Platzierungen an bestimmten Stellen.
Mit dem Geographischen Informationssystem soll der Giftködereinsatz verringert und die Bekämpung nachhaltiger erfolgen. Das System ist noch nicht ausgereift, aber auch für Nagerfreunde, die den Nasen nicht gleich an den Pelz gehen möchten, sind die Ergebnisse der Studie hinsichtlich der Habitatpräferenzen und einigen anderen Aspekten sehr interessant.

Zunächst wurde ein Modell entwickelt, welches Daten bezüglich der rattigen Präferenzen an deren Umwelt enthält - entnommen wurden diese der bestehender Literatur. Die primären Variablen waren:

  • Gebäude: Ort und Alter
  • Abwassersystem: Ort
  • Wasserwege (Flüsse, Bäche): Linie
  • Kompostanlagen: Ort
  • 3 Siedlungstypen: freistehende Häuser mit Garten; Innenstadtgebiet; Wohnblöcke

Diese Variablen wurden ergänzt mit speziellen Daten hinsichtlich Futterquellen, Gartenanlagen und Parks. Um die Orte und Linien wurden Puffer von 50m gelegt, so dass ein flächiges Gebiet auf der Karte sichtbar wurde.
Aus diesen Daten wurde ein Index gebildet: der "habitat suitability index" (HIS). Aufgrund dieses Index konnten Karten erstellt werden, welche die Habitate darstellen und Qualitäten zuweisen: niedrige, mittlere und hohe Qualität. Um zu prüfen, ob sich diese Qualitäten auch in einer niedrigen, mittleren und hohen Populationsdichte niederschlägt, wurden in den jeweiligen Gebieten Ratten gefangen und gezählt. Die Tiere wurden lebend gefangen und an Ort und Stelle wieder in die Freiheit entlassen - zuvor wurden sie markiert, um Mehrfachzählungen zu vermeiden.

 

Ergebnisse
Die getesteten Gebiete zeigen eine sehr ungleiche Verteilung an Rattenpopulationen. Gute Habitate sind beschränkt auf das Vorkommen von unbebautem Boden und ausreichend Vegetation/Nahrungsressourcen. Damit stellen dicht bebaute Innenstände das denkbar schlechteste Habitat dar - was sich auch in den gefangenen, bzw. hier nichtgefangenen Tieren widerspiegelt.
An sich gute Habitate wie Einfamilienhaussiedlungen mit viel Gartenfläche werden durch Straßen, Wege und dem damit verbundenen Verkehr wieder unattraktiver für Ratten.
Bessere Habitate zeigten sich bei den Wohnblocks. Hier ist die höhere Rattenpopulation der höheren Menschendichte und den daraus resultierenden schlechteren hygienischen Verhältnissen geschuldet.

Nicht alle Gebiete, die durch das GIS-Modell als gute Habitate ausgewiesen wurden, konnten durch entsprechende Fangquoten als solche auch bestätigt werden. An diesen Stellen sind mit Sicherheit noch Informationen über Präferenzen der Tiere notwendig. Zudem gab es auch methodische Probleme - wurden die Fallen zum Teil ungünstig aufgestellt.

Die Abwassersysteme wurden nicht in das Pilot-Modell einbezogen. Es wurden lediglich für einige Wochen Fangversuche in den Kanälen unternommen, bei denen ausgesprochen wenig Tiere gefangen wurden. Das deckt sich mit Informationen der Stadt, nachdem sich nur wenige Wildratten dort aufhalten (moderne Abwasserkanäle aus Beton sind für Ratten absolut unattraktiv).

 

Ausblick
Meiner Meinung nach zeigt die Untersuchung eine Trendwende in die richtige Richtung. Die Bekämpfung der Tiere setzt nicht beim Giftköder an, sondern viel früher - nämlich bei den Ursachen: dem Verhalten des Menschen und der Gestaltung seiner Umwelt.
Bauliche Veränderungen tragen dazu bei, aggressive Methoden wie den Giftködereinsatz unnötig zu machen. Das GIS kann helfen, Defizite in dieser Hinsicht sichtbar zu machen.
Zudem wird erfreulicherweise klargestellt, dass Rattenvorkommen in den für sie natürlichen Habitaten normal sind und ein Eingriff nicht notwendig ist, da sich die Population auf natürliche Weise selbst reguliert. Große Rattenbestände in einer für die Tiere eigentlich unpassenden Umwelt haben ihre Ursachen in den menschgemachten hygienischen und baulichen Verhältnissen. Dementsprechend hat man langfristigen Erfolg an diesen Stellen nur, wenn man diese Verhältnisse ändert - nicht durch das Auslegen von Gift.

 

Quelle:
Traweger, D.; Slotta-Bachmayr, L. (2005): Introducing GIS-modelling into the management of a brown rat (Rattus norvegicus Berk.) (Mamm. Rodentia Muridae) population in an urban habitat. Journal of Pest Science 78: 17-24.

 

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