(engl. play fight) Die Spielkämpfe beginnen bei Ratten etwa in einem Alter von 18-19 Tagen, also kurz vor der Entwöhnung von der Mutter, und erreichen die höchste Häufigkeit zwischen 30 und 40 Tagen. Bis die Tiere etwa 84 Tage alt sind, sinkt die Häufigkeit des Spielverhaltens, verschwindet aber nicht völlig (vgl. Pellis et al, 1997, S.106)

Auch Spielkämpfe bestehen aus Angriffs- und Verteidigungselementen. Angriffsziel ist der Nackenbereich, den der Angreifer versucht mit seiner Schnauze zu berühren, ggf. daran zu reiben. Der Verteidiger versucht, sich dieser Berührung zu entziehen und einen Gegenangriff zu starten, indem er seinerseits versucht, den Nacken des Anderen zu erreichen. Alle zu beobachtenden Bewegungen folgen dieser Angriffs- und Verteidigungsstrategie, den Nacken zu berühren bzw. diese Berührung zu verhindern (vgl. Pellis et al, 1997, S.106 und siehe nachfolgende Abbildung).

 

1. Die braune Ratte nähert sich der weißen Ratte von hinten in Spielabsicht.
2. Sie springt die weiße Ratte an - Ziel ist der Nackenbereich.
3. Die angegriffene Ratte versucht durch eine Drehung ihren Nackenbereich zu schützen.
4. Die braune Ratte versucht die unterlegene auf dem Rücken zu fixieren ("pinning").
5. Die weiße Ratte versucht nun ihrerseits den Nacken der braunen Ratte zu erreichen.
6. Die braune Ratte reagiert, indem sie mit ihren Hinterpfoten das Gesicht der weißen Ratte wegdrückt.
7. Die weiße Ratte versucht sich aus dem Haltegriff zu winden und drückt mit den Hinterpfoten die andere von sich weg.
8. Sie schafft es, die braune aus dem Gleichgewicht zu bringen...
9. ...windet sich heraus und greift nun ihrerseits an. Die Spielrunde beginnt von vorn.

 

Eine Spielrunde kann mehrere Sekunden dauern, bevor das Ringen stoppt und eine neue Spielrunde beginnt.

Im Prinzip sind drei Verteidigungsstrategien zu beobachten:
1. die Tiere drehen sich seitlich weg und entziehen sich so der Nackenberührung,
2. sie drehen sich auf den Rücken, oder
3. sie führen eine Teildrehung durch, indem sie nur den Vorderkörper drehen (vgl. Pellis et al, 1997, S.106).

Während Jungtiere sich bei Attacken überwiegend sofort auf den Rücken drehen, werden mit zunehmendem Alter immer häufiger nur Teildrehungen ausgeführt.

Drei Verteidigungstechniken

 

Für Anfänger in der Rattenhaltung ist es oft schwer, Spiel von Ernst zu unterscheiden. Häufig wird allein aufgrund des Alters darauf geschlossen, dass es sich bei einer Prügelei um Spielverhalten handelt. Andere wiederum sind verunsichert, wenn ihre 6 Wochen alten Jungtiere über "Tische und Bänke" toben und dabei wild quietschen. Das Alter allein ist ein unsicheres Merkmal für die Einschätzung von Spielverhalten, vor allem, wenn die Tiere älter werden. Es gibt bessere und eindeutigere Indikatoren, anhand derer man Spielkampf von echtem Kampf unterscheiden kann (siehe nachfolgende Tabelle).

 
Merkmal Spielkampf echter Kampf

Wechselseitigkeit

besiegte Tiere kehren zum Spiel zurück; Sieger und Verlierer wechseln sich ab (Wechselseitigkeit) besiegte Tiere flüchten; keine Wechselseitigkeit, d.h. Sieger und Verlierger wechseln sich nicht ab
Angriffsziel Nacken hinterer Rückenbereich
Haare glatt anliegend gesträubt
Beißen kaum echtes Beißen; überwiegend Berührung und Reiben mit der Schnauze richtiges Beißen
Laute ~50kHz (Zwitscherlaute, nicht hörber) 20kHz-Distress-Rufe (an der menschl. Hörgrenze)

 

Der meiner Meinung nach beste Hinweis auf einen Spielkampf ist, dass Sieger und Verlierer abwechseln. Dominierte Tiere kehren nach einer verlorenen Spielrunde aktiv zum Spiel zurück und es ist wahrscheinlich, dass sie in der nächsten Spielrunde die Gewinner des Ringkampfes sind (vgl. Meaney, Stewart 1981, S.36).

Da aus Spiel auch mal Ernst werden kann, kann man mitunter Verhaltensweisen beobachten, die sowohl Spaß- als auch echte Kampfelemente enthalten. Das geschieht vor allem, wenn die Tiere älter werden und die Spielhäufigkeit abnimmt. Auch missverstandenes "Anspielen" oder schlicht Unlust kann dazu führen, dass aus Spiel Ernst wird. Die in der Tabelle aufgeführen Merkmale helfen dem Halter, solche Situationen zu erkennen und richtig einzuordnen.