Das Zähneklappern (engl. tooth-chatter) ist recht laut und tritt in Stresssituationen auf. Zum Beispiel in Gegenwart fremder Ratten, wenn ein Kampf droht oder es bereits zu einem Kampf kam. Ratten zeigen das Verhalten auch, wenn sie sich durch einen Menschen bedroht fühlen. Es wird häufig von einem Abwehrverhalten begleitet sowie Haaresträuben.

Das Zähneklappern dient einigen Tieren als Warnsignal. So setzen es Hamster als aggressives Drohen ein (Drohwetzen) (vgl. Gattermann 2005,S.371). BARNETT diskutiert diese Möglichkeiten, kommt aber zu dem Schluss, dass das Zähneklappern bei Ratten keinerlei soziale Signalwirkung hat, sondern Symptom eines Stresszustandes ist (1963, S.86; siehe auch Kaltwasser 1990, S.230f.).

Aufgrund dieser Lehrmeinung ist die weitere Untersuchung dieses Verhaltens bei Ratten für die Erforschung von Bruxismus (Zähneknirschen) beim Menschen von wissenschaftlichem Interesse. Ebenso wie bei Ratten geht man beim Menschen davon aus, dass Bruxismus ein Zeichen negativen emotionalen Stresses ist. Im Unterschied zum Menschen sieht man bei Ratten aber auch eine dahinterliegende Funktion. So meint man, dass das Zähneklappern (zur Mehrdeutigkeit des Begriffes, siehe weiter unten) auch dem Schärfen der Zähne dient (thegosis; engl. tooth-sharpening-behaviour) (vgl. Byrd 1997, S.40f.).

Rattenhalter haben bereits oft beobachtet, dass die Zähne der Tiere auch bei weicher Kost (ältere oder kranke Tiere werden oft mit Breien oä gepäppelt) ihre normale Länge und damit auch ihre Funktionstüchtigkeit behalten. Es spricht also einiges dafür, dass sie durchaus ein Verhalten haben, welches die Zähne - vor allem die Schneidezähne - schärft. Allerdings ist hier die Fachliteratur äusserst schwach. Dieses Verhalten wurde bei anderen Nagern diskutiert, nicht jedoch bei Ratten, wo es allenfalls beiläufig erwähnt und damit als gegeben dargestellt wird. Nähere Untersuchungen fehlen.
Dem hier beschriebenen Zähneklappern bei eindeutigen Konfliktsituationen kann diese Funktion aber vermutlich nicht zugeordnet werden.

Ratten zeigen aber auch ein ähnliches Verhalten in anderen Situationen. Das "Zähneklappern" ist weniger laut und lässt sich schon auf diese Weise deutlich von diesem unterscheiden. Man kann es als Zähneknirschen (engl. tooth-grinding) oder, häufiger von Rattenhaltern verwendet, Knuspern bezeichnen. Das Knuspern kann während Erkundungsverhalten auftreten oder aber auch, wenn die Tiere entspannen.

Das Auftreten in derart unterschiedlichen Situationen sorgt nicht nur beim Halter für Verwirrung. In den wissenschaftlichen Quellen wird keine Unterscheidung zwischen Zähneklappern oder Zähneknirschen gemacht (siehe hierzu auch die Methodenbeschreibung bei Hughes 1969, S.386 oder auch Byrd 1997). Man kennt das Zähneknirschen bei Erkundungsverhalten, es wird jedoch nirgends das Verhalten in entspannten Situationen beschrieben. Das Ratten mit den Zähnen knirschen, während sie dösen oder vom Halter gekrault werden, findet keinerlei Erwähnung in der Fachliteratur.

In der Sachliteratur dagegen findet es regen Niederschlag. Hier ist Knuspern je nach Kontext Ausdruck von Angst, Schmerz, Neugier oder Wohlfühlen. Aber gerade bei Schmerz und Wohlfühlen wären mehr Erkenntnisse wichtig, andernfalls würde die richtige Interpretation reinweg vom Wunsch des Halters abhängen und regelmäßig zum positiven hin gedeutet - und damit möglicherweise falsch. Das ist gefährlich und kann auf keinen Fall der richtige Weg sein.

Ich empfehle daher thesenartig folgende Deutung:
Zähneklappern = Stress in Konfliktsituationen
Zähneknirschen = Anspannung/Spannung während Erkundungsverhalten/Exploration
Knuspern = Zähneschärfen. Dem Knuspern widmen sie sich aber nur, wenn sie Zeit und eine ruhige sichere Umgebung haben. Auslöser für das Knuspern wäre dann nicht der kraulende Mensch, sondern die Notwendigkeit des Zähneschärfens in Kombination mit der ruhigen sicheren Umgebung.

Da alle anderen Motivationen ausser negativem Stress scheinbar kein wissenschaftliches Interesse bergen, wird aus dieser Richtung vermutlich weiterhin nur wenig Erhellendes kommen.