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Als Leseratte sind Bücher natürlich das Premium-Hauptfutter, um die Graue Masse gebührend in Bewegung zu halten. Einige passen gut in das Themenspektrum dieser Seite, obwohl es nicht um Ratten geht.
Gemein haben sie alle, dass es um Tiere oder bestimmte Tierarten geht, um ihre Fähigkeiten und Gefährdungen, aber vor allem auch immer um den Umgang des Menschen, seine Geisteshaltung und seine Handlungen, diesen Tieren gegenüber. Genau dies ist Thema des Rattenkultur-Magazins und genau deshalb werde ich eine Auswahl dieser Bücher nun auch hier vorstellen - unsortiert und querbeet. Über Hinweise und Lesetipps eurerseits würde ich mich freuen.
Dr. Kurt Floericke - Nagetiere
Floericke war Anfang des letzten Jahrhunderts vielgelesener Autor von populärwissenschaftlichen
Naturbeschreibungen. Was Brehm schon hervorragend konnte, hat er regelrecht auf die Spitze
getrieben - in fast schon manischer Verzückung schreibt er in blumigen
Worten über das ulkige Kaninchen, das lustige und ausgelassene Eichhörnchen, die allerliebste
Zwergmaus und viele mehr und unterteilt sie dabei auch gleich in Gut und Böse (Achtung Hamsterfans! Diese Tiere
sind DAS BÖSE...die unverschämte Ratte wird in diesem Bändchen allerdings nicht beschrieben...).
Nach einem Wasserfall blumiger Tierbeschreibungen schafft er es immer wieder, kreischend
die Nadel vom Plattenteller zu reissen, indem er Dinge beschreibt, die in diesem
Zusammenhang völlig deplatziert wirken (zB. wie er sich seiner Hamster entledigt oder sein "origineller" Versuch,
ein Stachelschwein zu erlegen).
Das Bändchen wurde neu aufgelegt, mit neuen Farbzeichnungen versehen und um einige
Worte des Herausgebers ergänzt.
Der Text wurde mal ernst genommen, heute ist es reine Satire. Ein wunderbar skurriles
Fundstück!
Der Grosskonzern - Der kleine Verlag, Berlin 2011; 128 Seiten
Douglas Adams, Mark Carwardine - Die Letzten ihrer Art
Richtig gelesen. Douglas Adams, der Autor von "Per Anhalter durch die Galaxis", reiste
mit dem Zoologen Mark Carwardine rund um die Erde und suchte die aussterbenden Tiere auf.
Bei seiner Art zu schreiben kann nur ein ebenso spannendes wie lustiges Buch dabei
herauskommen. Dennoch schreibt er mit viel Respekt über die Tiere und mit bestürzender
Selbstreflexion über seine eigene Art. Das löst nicht nur bei ihm Betroffenheit aus.
Das Buch erschien erstmals 1990. Eine Umsetzung als Fernsehserie war lange geplant.
Erst etwa 20 Jahre später setzte die BBC mit Stephen Fry (Adams verstarb 2001) und Mark Carwardine das Buch für das
Fernsehformat um. Dabei schauen Fry und Carwardine, wie es den Arten in den letzten 20
Jahren ergangen ist. Es gibt traurige Abweichungen von der Buchvorlage, da der Yangtse-Delphin
vermutlich bereits ausgestorben ist.
Im April 2011 erfolgte auf Arte die deutsche Erstausstrahlung. In diesem
Zusammenhang wird das Buch vermutlich auch noch einmal an Popularität gewinnen. Zu Recht.
Es setzt absolute Maßstäbe. Lasst es euch nicht entgehen.
Heyne Verlag, München 2010; 272 Seiten
John Vaillant - Der Tiger
Es geht um die wahre Geschichte eines geplanten "Mordes" durch einen Tiger. Der Autor, der
auch schon für National Geographic oder The New Yorker geschrieben hat, rekonstruiert den
Fall und liefert dazu gleich eine spannende Natur- und Kulturgeschichte der Amur-Region am
äußersten Ende Russlands.
Es offenbart sich eine Welt des Tigers, der sich als allein jagendes Raubtier
"fast intravenös in die Umwelt seiner Beute einschleichen muss" und allein schon aus diesem
Grund über enorme Intelligenz und ein großes Selbstbewusstsein verfügt. Für den der Natur
entfremdeten Leser sorgt das zwangsläufig für große Überraschung und Demut. Für die Menschen,
die dort schon immer mit dem Tiger leben, ist das normales Alltagswissen.
Das Buch ist rasend spannend, hat absolut keine Längen und man kann es nur verschlingen. Absolut
großartig!
Blessing Verlag, München 2010; 432 Seiten
Dominik Perler, Markus Wild (Hrsg.) - Der Geist der Tiere
Hierbei handelt es sich um eine Sammlung philisophischer Texte zum Thema. Über Begriffe wie Bewusstein, Vernunft, rationales Denken oder zielgerichtetes Handels uä. versuchen sich die jeweiligen Autoren an einer Definition bzw. an einer Unterscheidung zum menschlichen Bewusstsein.
Über diese Textsammlung lässt sich die Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Standpunkte sowie die Geisteshaltungen über die Jahrzehnte nachvollziehen. Demzufolge enthält dieses Buch schwere "Wutmacher" ebenso wie hervorragende Hymnen an das Tier als Persönlichkeit.
Dennoch wird weiterhin darum gerungen - bei den Philosophen, in der Wissenschaft wie auch beim Bürger. Man macht es sich nicht leicht, mit einfachen Wahrheiten.
Die Konsequenzen, nämlich Tierrechte, würden scheinbar eine zu heftige Zäsur für unser Gesellschafts- und Wirtschaftsystem bedeuten."Keine Wahrheit scheint mir offenkundiger, als daß Tiere, genauso wie der Mensch, mit Denken und Vernunft ausgestattet sind. Die Gründe sind in diesem Falle so offensichtlich, daß sie nicht einmal dem Dümmsten und Unwissendsten entgehen." (David Hume).
Ein Achtung muss ich nachschieben. Die Texte sind starker Tobak. Manche sind derart schwierig zu lesen, dass ich sie schlicht überblättern musste. Es bleibt aber genügend Gehirn-Stoff, an dem man lange zu grübeln hat.
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2005; 450 Seiten
Josef H. Reichholf - Rabenschwarze Intelligenz
Ein tolles Buch! Der Biologe Reichholf berichtet über erstaunliche Verhaltensweisen und die enorme Intelligenz der Rabenvögel, aber auch über den enormen Hass, der ihnen entgegenschlägt.
Rattenhalter werden daher übrigens im Umgang mit den Rabenvögeln die Geschwister im Geiste unserer Ratten entdecken. Und so schreibt Reichholf
"Keine Tiergruppe haben Vorurteile und Wahnvorstellungen so sehr getroffen wie die Rabenvögel(...). Einzig die Ratten kamen zu einem ähnlich schlechten Ruf wie die Krähen. Die Geschichte der Einschätzung von Rabenvögeln ist ein dunkles Kapitel der Kulturgeschichte."
Wie recht er leider hat.
Das Buch ist enorm unterhaltsam und hat nur selten einige Längen. Das betrifft vor allem Graphiken und Erläuterungen zur Populationszählungen. Da ist Reichholf eben ganz Biologe. Wie schwierig Populationszählungen an sich sind, mit welcher Methodik gearbeitet wird und mit welchen Unsicherheiten die Ergebnisse behaftet sind, ist allerdings auch wieder höchst interessant.Herbig Verlag, München 2009; 253 Seiten
John Alcock - Animal Behavior
Hierbei handelt es sich um ein Lehrbuch im Original (Englisch) aber mit Übersetzungshilfen, d.h. es werden nur bestimmte Worte oder Satzteile ins Deutsche übersetzt. Das Lesen fällt dadurch sehr leicht und der Preis ist unschlagbar günstig. Als echter Preistipp darf das Buch in dieser Auflistung also nicht fehlen.
Die Verhaltensweisen werden aus einem evolutionsbiologischen Ansatz heraus beschrieben und erklärt. Dabei werden Konzepte und Theorien zur evolutionären Entwicklung ausführlich anhand von konkreten Beispielen erläutert. Weshalb zum Beispiel ist die Präriewühlmaus monogam, während so viele andere Wühlmäuse polygam sind?
Das Ganze ist - auch für ein Lehrbuch - spannend und unterhaltend. Wenn man sich nicht aus Studiengründen denn Stoff einbläuen muss, lässt sich auch hervorragend einfach nur in dem Buch stöbern. Didaktisch sind die Kapitel aber aufeinander aufgebaut, so dass sich bei ernsthaftem Lernwillen anbietet, dem gegebenen Aufbau zu folgen. Wenn man sich für die wissenschaftlichen Grundlagen der Verhaltensforschung interessiert, macht das Buch wirklich Spaß.
Spektrum Akademischer Verlag, München 2006; 580 Seiten